Konzert der Handschriften

20 Künstler der "salzgitter-gruppe" im Foyer des Rathauses in Lebenstedt

Von Karla Götz

LEBENSTEDT. Der Behördengang wird jetzt zum Kulturerlebnis. Im Foyer des Lebenstedter Rathauses stellt die "salzgitter-gruppe" 89 Kunstwerke zur Schau - von Malerei über Fotografie bis hin zur Plastik. Verweilen lohnt sich, im Konzert der Stille und Handschriften gilt es, Entdeckungen zu machen.

Die Kunsterzieherin Margot Michaelis stellte zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntagmorgen jeden der 20 Künstler in seiner Besonderheit vor, interpretierte vor zahlreichen Interessenten die figürlich und abstrakt bemalten Leinwände und Papiere, die noblen und rätselhaften Schwarzweiß-Fotografien, die Bildexperimente, Plastiken und Skulpturen aus Holz, Bronze und Terrakotta. Ist eine Ausstellung so zahlreicher Künstler auch immer ein bisschen Gemischtwarenladen und die grauen Zick-Zack-Wände im belebten Flur sind keine Galerie-Oase, so kann der aufmerksame Betrachter doch auf seine Kosten kommen. Etwa in einer dem Fenster zugewandten Nische, in der zwei Fotomontagen von Bruno Zwietasch mit einer geschmiedeten Skulptur von Bernd Schlender in Dialog treten. Das ist eine ganz kostbare Ecke. Zwietasch lässt eine Kopfform über grafisch wirkungsvollen Lochmustern erkennen, Schlenders Arbeit trägt mit ihrer verschlungenen Kompliziertheit den Titel "Kopfgeburt" zu Recht.

Die Fotografie hat in der "salzgitter-gruppe" bemerkenswerte Protagonisten. So geht einem Ursula Trams' schaurig-schöne Laterne in wolkenverhangener Nacht nicht aus dem Sinn. Wie viel Schwarzweiß-Fotografie in unserer farbschrillen Welt zu erzählen vermag, stellt Michael Ewen mit seinen poetischen New York-Fotos unter Beweis. Raffiniert ist die Methode von Klaus Berner, der, wie es Vernissage-Rednerin Margot Michaelis treffend ausdrückte, "auf den ersten Blick mit den Farben der Nationalflagge zu spielen scheint". Es sind Randstücke von Fotonegativen, die wundersam gezackte Horizonte eröffnen, wie es sonst nur der Farbflächenmalerei möglich ist.

Im Bereich Malerei ist neben abstrakten Motiven in dickem Farbauftrag auch handwerklich fein Ziseliertes zu sehen, bis hin zum Fotorealismus. Man sehe sich genau an, wie Dan Groll mit einem Brokkoli-Röschen umzugehen vermag, und wie dicht seine Bilder komponiert sind. Jeden Künstler einzeln zu würdigen, ist hier gar nicht möglich. Unser Tipp: Hingehen, geöffnet ist bis 12. Dezember. Und das Beste: Die Arbeiten sind käuflich zu erwerben. Wo gibt es das schon, Kunstkauf im Rathaus?

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